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Im Jahre 1906 ist der zweite Turnverein in Betzingen gegründet worden, der Arbeiterturnerbund.

Die Gründungsmitglieder waren:
Otto Digel; Wilhelm Bauder; Johannes Baisch, Begründer der Gärtnerei Baisch; Albrecht Kehrer; Martin Leibßle, bekannt als "Malteser-Marte"; Wilhelm Kull und August Eger.
Erster Vorstand war Christian Schweickhardt, der den Verein von 1906 bis 1924 und von 1926 bis 1928 geführt hat.

Von den Mitgliedern des neuen Vereins, die nach dem Ersten Weltkrieg besonders aktiv waren, kennen wir noch Emil Nedele, "dr Bemme", Oberturnwart von 1920 bis 1930; Wilhelm Bögle, der mit viel künstlerischer Intuition die neue Vereinsfahne entworfen hat; unser Ehrenmitglied Hermann Rapp; Ernst Mack, langjähriger Platz- und Gerätewart; Oskar Kalbfell, Vorstand von 1924 bis 1926 und Oberbürgermeister der Stadt Reutlingen nach 1945 sowie Karl Kern, Vorstand von 1928 bis zur Auflösung des Vereins 1933 und Erbauer des Clubhauses.

Der neue Verein, bewusst politisch orientiert, belebte die Turnerei, standen doch beide Vereine, Turnverein und Arbeiterturnerbund, im Wettstreit, die besten Turner zu haben.
Dieser Wettstreit wurde jäh unterbrochen durch den Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914. Der Turnbetrieb konnte nur noch eingeschränkt durchgeführt werden.

 

Nach dem 1.Weltkrieg1906 2

Nach dem Krieg bekam die Turnerei Konkurrenz mit einer neuen Sportart, die Kriegsgefangene von England mitgebracht hatten, dem Fußballspiel. So hatte der Arbeiterturnerbund schon 1919 die erste Fußballmannschaft in Betzingen, bevor ein Jahr später der Turnverein eine teilweise selbstständige Fußball-Abteilung gründete.


Die weitere Sportart, Handball, ist in Betzingen ab 1930 betrieben worden. Sie wurde von dem Sohn des damaligen Vorstands Dr. Roth in Betzingen heimisch gemacht, allerdings ohne daß sie Bestand gehabt hätte. In beiden Vereinen (Turnverein und Arbeiterturnerbund) ist nach einigen Jahren das Handballspielen wieder aufgegeben worden.

Erst im Jahre 1915, nach der Eingemeindung von Betzingen 1907, hat die Stadt Reutlingen eine Turnhalle gebaut, die heutige Kemmlerhalle, und im Jahre 1927 ein großes Areal im Auchtert für zwei Sportplätze zur Verfügung gestellt, die in Eigenarbeit von beiden Vereinen (Turnverein und Arbeiterturnerbund) als Turn- und Sportplatz hergerichtet worden sind.
Der Arbeiterturnerbund hat im Jahre 1929 oberhalb von seinem Turnplatz noch ein Clubhaus gebaut, eine enorme Leistung für diesen Verein in damaliger Zeit, hatte er danach 5000,- RM Schulden.

Nach der Machtübernahme durch Hitler ist der Arbeiterturnerbund im Jahre 1933 aus politischen Gründen aufgelöst worden.
Unter der umsichtigen Leitung von Ernst Walz, Vorstand 1930 - 45, hat der Turnverein das Clubhaus und die Schulden übernommen und allen Mitgliedern des aufgelösten Vereins die Aufnahme in den Turnverein unter der Wahrung ihrer Rechte angeboten. Fast alle Mitglieder des aufgelösten Vereins haben von diesem Angebot, wenn auch nicht sofort, Gebrauch gemacht und sind Mitglieder des Turnvereins geworden, sogar Oskar Kalbfell (Oberturnwart). Er war es, der das große Turnfest zum 50. Jubiläum im Juli 1939 gut organisiert hat.1906 3
Nur wenige Wochen später sind deutsche Truppen in Polen einmarschiert, der Zweite Weltkrieg hatte begonnen und den Sport in Betzingen wieder weit zurückgeworfen.

 

Nach dem 2. Weltkrieg

Nach Kriegsende war das Clubhaus des Turnvereins durch Artilleriebeschuss der französischen Armee beim Einmarsch schwerbeschädigt, die Sportplätze verwüstet und das Turnen durch Anordnung der Siegermächte verboten.

Als im Jahre 1950 die Alliierten-Gesetze aufgehoben wurde und das Turnen wieder erlaubt war, meldeten die alten Vereine, der Turnverein und der Arbeiterturnerbund, ihre Rechte am Clubhaus und an den Sportplätzen wieder an.
Es kam zu mehreren Gesprächen und Versammlungen.

 

 

 

 

Geschichte in tabellarischer Form


1906  Gründung des Arbeiterturnerbund Betzingen 
1915  Die Stadt Reutlingen baut eine Turnhalle, die heutige Kemmlerhalle. 
1919  Gründung der ersten Fußballmannschaft in Betzingen 
1928  Stadtverwaltung Reutlingen weist beiden Betzinger Vereinen (Turnverein und Arbeiterturnerbund) ein Gelände im Gewand Auchert zu, mit der Auflage, die Spielfelder in Eigenarbeit zu errichten. 
1929  Arbeiterturnerbund baut Clubhaus oberhalb des Turnplatzes. 
1933  Auflösung des Arbeiterturnerbund durch Nationalsozialisten. 
1933  Turnverein übernimmt das Clubhaus und die Schulden des aufgelösten Arbeiterturnerbund Betzingen. Allen Mitgliedern des aufgelösten Vereins wird die Aufnahme in den Turnverein unter der Wahrung ihrer Rechte angeboten. 
1950  Die Alliierten-Gesetze werden aufgehoben und der Arbeiterturnerbund meldet seine Rechte am Clubhaus und an den Sportplätzen an. 
22.04.1950  Fusion der drei Vereine (Turnverein, Arbeiterturnerbund und Sportverein 1946 Betzingen) zum TSV Betzingen e.V.